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 Grammatik 5/10 

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Unverhofftes Wiedersehen
von Helga Salfer

 

Michael ist der Sohn reicher Eltern. Er studiert Architektur, wie es bereits sein Vater und sein Urgroßvater vor ihm getan haben. Eines Tages soll er das elterliche Unternehmen, das zur Zeit von seiner Mutter geleitet wird, weiterführen.

Im Grunde hat Michael vor der großen Verantwortung Angst. Wird es ihm gelingen, den Erwartungen, die an ihn gestellt werden, zu entsprechen? An manchen Tagen lastet diese Bürde schwer auf ihm. Aber er hält sich dafür bereit.
Seine Liebe zu der Malerin Britta macht ihn stark. Er weiß, dass er eine Frau gefunden hat, die an seiner Seite zu stehen vermag. Aber seine Mutter ist gegen diese Verbindung!

In einer Galerie lernte Michael Britta vor etwa zwei Jahren kennen. Sie war Malerin und stellte dort ihre Bilder aus, um sie zum Kauf anzubieten. Er verliebte sich auf Anhieb in sie. Ihm gefiel ihre Natürlichkeit, mit der sie auftrat. Mit ihren neunzehn Jahren wirkte sie sehr reif und selbstbewusst.

Als seine Mutter jedoch erfuhr, dass Brittas Mutter Alkoholikerin war und ihr Vater sieben Jahre wegen bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis saß, ließ sie nichts unversucht, die beiden Liebenden zu trennen. Dazu war ihr jedes Mittel recht. Schließlich stand der gute Ruf der Familie auf dem Spiel.

Jedesmal, wenn sie nur Brittas Namen erwähnte, schwang Verachtung in ihrer Stimme, die jeden Widerspruch Michaels zunichte machte. Michael hasste die Art, in der sie ihren Namen aussprach, weil es so klang, als spräche sie von einem Dienstmädchen.

Michael ließ sich von seiner Mutter nicht unterkriegen. Er machte ihr deutlich klar, dass er sich nicht ein Leben lang ihren Gesetzen und Vorschriften unterwerfen wollte.

Sie versuchte ständig, ihrem Sohn diese Frau auszureden, weil sie wegen ihrer Herkunft eine Schande für die Familie sei und warf ihm vor, wegen einer Liebesgeschichte das Lebenswerk seines Großvaters leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Michael spürte, dass jede weitere Diskussion mit seiner Mutter überflüssig war. Hinter ihrem Rücken plante er eine heimliche Trauung mit Britta. Doch das Schicksal war gegen sie. Auf der Fahrt verunglückten sie.

Michael erlitt bei dem nächtlichen Unfall innere Verletzungen und fiel ins Koma. Seine Mutter wich während dieser Zeit nicht von seinem Krankenbett. Zu groß war ihre Angst, den geliebten Sohn zu verlieren. Für seine Freundin Britta, die es am härtesten traf, empfand sie keinerlei Mitleid.

Britta überlebte zwar das Unglück, verlor aber ihr Gesicht, von dem überhaupt nichts übriggeblieben war, kein einziger Knochen, der noch ganz war, kein Nerv, der nicht durchschnitten war, kein Muskel. Das einzige, was noch zu gebrauchen war, waren ihre Augen.
Auch die Hände waren fast ebenso zerrissen wie das Gesicht, und das bedeutete für eine Malerin das Ende.
Kurz gesagt - das Leben war für sie vorbei. Ihre Jugend, ihre Schönheit, ihre Arbeit, nichts war ihr geblieben.

Michaels Mutter sah ihre Pläne reifen. Sie unterbreitete dem Mädchen, dessen Gesicht so entsetzlich entstellt war, ein Angebot: Verzichtete Britta auf Michael, würde sie ihr die dringend nötige Gesichtsoperation und eine neue Karriere finanzieren.

In ihrer Verzweiflung ging Britta auf ihr Angebot ein. Sie versprach, sich von Michael fernzuhalten. Als seine Mutter ihr sagte, dass sie es Michael selbst überlassen würde, was er täte, fühlte Britta sieghaftes Vertrauen in sich aufsteigen. Sie kannte Michael soviel besser, als seine Mutter. Er würde sie niemals aufgeben. Sie wusste, dass er sie finden und ihr die qualvolle Zeit über beistehen würde. Diesmal würde seine Mutter nicht gewinnen können. Britta erinnerte sich an Michaels Worte: "Ich verspreche dir, dich niemals zu verlassen!" Sie wusste, dass dies ein Schwur war, den er nie brechen würde.

Als Michael aus dem Koma erwachte, redete seine Mutter ihm ein, Britta sei an den Folgen ihrer schweren Verletzungen gestorben. Michael glaubte ihr, jedoch ein Leben ohne Britta war für ihn unvorstellbar. Es schien ihm, als hätte er einen Teil von sich verloren. Unendliche Trauer erfasste ihn.

Im Krankenhaus verbot Michaels Mutter den Ärzten und Krankenschwestern mit ihrem Sohn über Britta zu sprechen. Er sollte von ihren Plänen, die sie mit seiner Freundin hatte, nichts erfahren. Für ihn sollte sie tot sein, so wie sie es ihm gesagt hatte.

Sie fand schließlich für Britta einen geeigneten Schönheitschirurgen, der bereit war, dem Mädchen ein neues Gesicht und damit eine neue Persönlichkeit zu geben. Der Arzt leistete exquisite Arbeit.

Britta fühlte sich mit dem neuen Aussehen, das sie ihm verdankte, selbstsicher und froh. Sie wagte es, sich neue und auffallendere Kleider zu kaufen, Kleider, die eleganter geschnitten waren und sie umschmeichelten, und die sie zuvor nie getragen hätte.

Aber immer noch fiel es ihr schwer, Michael zu vergessen. Manchmal saß sie einfach nur da mit den Träumen der Vergangenheit und wünschte sich, ihn wiederzusehen, nur um diese Träume endlich zu verabschieden. Sie wusste, dass sie beide nicht mehr dieselben Menschen waren wie damals. Sie nannte sich von nun an Julia.

Inzwischen waren zwei Jahre nach dem schrecklichen Unfall vergangen. Unglaubliches hatte Britta seitdem erreicht. Sie bewohnte ein wunderschönes Appartement, begann eine neue Karriere und konnte sich kaufen, was ihr gefiel. Aber etwas gelang ihr nicht: Michael zu vergessen!

Noch immer klammerte sie sich an den letzten kleinen Hoffnungsfetzen. Noch immer glaubte sie, Michael würde kommen und sie finden, und das Abkommen mit seiner Mutter für null und nichtig erklären.

Britta sagte sich immer wieder, dass sie sich nicht an Michael klammern sollte. Er hatte sie im Stich gelassen. Aber sie konnte ihn nicht vergessen. Arbeit, Arbeit und wieder Arbeit. Das war das einzige, was sie von Michael ablenkte. Mit ihrer neuen Karriere als Fotografin hatte sie großen Erfolg. Sie machte Ausstellungen und ihre Fotografien wurden überall bewundert.

Da griff das Schicksal zum zweitenmal zu.

Michaels Freund Jan besuchte eine von Julias Ausstellungen und war sofort von ihren Arbeiten begeistert gewesen. Er schlug Michael und dessen Mutter vor, die junge Fotografin für die künstlerische Ausgestaltung im Foyer des Hauptgebäudes ihrer Firma zu engagieren. Jan legte Michaels Mutter drei schöne Farbfotos vor, die er Julia abgekauft hatte. Michaels Mutter war ebenfalls sehr beeindruckt von den Aufnahmen. Diese Fotografin musste sie unbedingt kennen lernen. Sie telefonierte mit Julia und vereinbarte ein Treffen mit ihr.

Britta folgte der Einladung. Als die beiden Frauen sich gegenüberstanden, betrachteten sie sich mit Interesse und Vorsicht. Michaels Mutter erkannte Britta wieder. Sie bat daraufhin ihren Sohn, mit der Fotografin zu verhandeln.

Michael erkannte Britta nicht. Erst als er ein von früher ihm bekanntes Gemälde von ihr, mit ihrem neuen Namen unterzeichnet sieht, begreift er alles. Seine Mutter hatte ihn belogen! Aber jetzt zählte für ihn nur noch eines:
Britta lebte und er hatte sie wiedergefunden.
Beide waren unsagbar glücklich.

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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