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Grammatik 5/9  Texte 5/9  INDEX  Wortschatz 

Uwe schwänzt die Schule
ein Text nach Annemarie Norden


Als Thomas auf den Hof trat, merkte er, dass er sein Brot und seinen Apfel oben in der Klasse liegengelassen hatte.
Er wandte sich um und wollte ins Schulhaus zurück.
Aber an der Tür stand Herr Lohrberg, der die Pausenaufsicht hatte.

“Wohin?” fragte er und hielt Thomas am Ärmel fest.
“Jetzt ist Pause, mein Junge!”

“Ich hab mein Brot oben gelassen”, antwortete Thomas.
“Na, dann mach schnell!” sagte Herr Lohrberg und gab ihm einen freundlichen Klaps auf die Schulter.

Thomas sauste die Treppen hinauf, rannte den Flur entlang und öffnete die Klassentür.
Im gleichen Augenblick sah er, wie Uwe sich aufrichtete, neben dem Platz von Günther Blech.
Er hielt ein Portmonnaie in der Hand und starrte ihn erschrocken an.

“Mann!” rief Thomas entsetzt.
“Was machst du denn da?”
Die Frage war völlig überflüssig. Thomas konnte ja deutlich sehen, was Uwe da machte, oder vielmehr, was er gemacht hatte.

“Du sagst es doch niemand, nicht?” stammelte Uwe.
“Ich tu’ das Geld auch wieder zurück!”
Er steckte das Portmonnaie wieder in die Schultasche von G. Blech, die seitlich an der Bank hing.

“Du hast gesehen, dass ich es wieder zurückgetan habe, nicht wahr?” fragte er angstvoll.
Thomas sah ihn verwirrt an.
“Na und?” rief er.
“Was nützt denn das! Wenn ich nicht in die Klasse zurückgekommen ware, hättest du das Geld behalten!
Weiß du, was du bist? Ein Dieb!”
Uwe wurde weiß wie eine Wand.
“Thomas…” stammelte er.

Aber Thomas redete schon weiter:
“Und von wegen: ich soll es niemand sagen! Alle müssen das wissen, alle in der Klasse, und Herr Mahler auch, dass ein Dieb unter uns ist.
Neulich haben zehn Schilling gefehlt in der Klassenkasse, und wir haben schon überlegt, ob es vielleicht die Putzfrau war. Du warst das also!” “Ich war es nicht!” rief Uwe. “Ganz bestimmt nicht!
Dies hier eben war das erste Mal, dass ich etwas ge…, dass ich etwas genommen habe!”
Er verstummte und senkte den Kopf.

“Wer’s glaubt!” sagte Thomas höhnisch.
Uwe antwortete nicht.
Er lief zu seinem Platz, nahm die Schultasche, riss seine Jacke vom Haken und rannte aus der Klasse.
Thomas sah ihm bestürzt nach.
Uwe ging nach Hause, mitten aus der Schule ging er nach Hause.
Er holte das Schulbrot und den Apfel und ging langsam wieder hinunter auf den Hof.
Aber er aß weder das Brot noch den Apfel.
Ihm war sehr unbehaglich zumute.

In der nächsten Stunde hatten sie Deutsch.
Der Lehrer war erstaunt, dass Uwe nicht da war.
Thomas sagte dem Lehrer, dass dem Uwe sehr schlecht war und darum musste er nach Hause gehen, ohne ihm oder einem anderen Lehrer Bescheid zu sagen.

Aber Uwe fehlte am nächsten Tag und auch am übernächsten.
Thomas wurde immer unruhiger.
Vielleicht kam Uwe nicht zur Schule aus Angst, dass Thomas den Diebstahl gemeldet hatte.
Thomas beschloss, zu Uwe nach Hause zu gehen und ihm zu sagen, dass er ihn nicht verraten hatte.
Am Nachmittag, gleich nach den Schularbeiten, machte sich Thomas auf den Weg. Uwes Mutter öffnete die Tür.
“Guten Tag!” sagte Thomas.
“Ist Uwe da? Ich bin aus seiner Klasse!” “Ja”, antwortete Uwes Mutter. “Nett, dass du kommst!
Er ist in seinem Zimmer, da drüben die Tür.!”
Thomas ging zur bezeichneten Tür und klopfte an.
“Herein!” rief Uwe.
Thomas betrat das Zimmer und sah Uwe am Tisch sitzen und an einem Stück Holz herumschnitzen.
“Thomas1 Du!” rief er, und seiner Stimme merkte man deutlich Angst an.
“Ja, ich”, sagte Thomas verlegen. “Ich…wollte bloß mal nach dir sehen!”
Uwe antwortete nicht.
‘Ich wollte mich mal erkundigen, wie es dir geht!” fuhr Thomas fort. “Weil du doch schon zwei Tage fehlst!”

Uwe erschrak.
“Hast du das meiner Mutter gesagt?”
flüsterte er.
“Ich meine, dass ich fehle?”
Thomas schüttelte verwundert den Kopf.
“Sie weiß das nämlich nicht!’ flüsterte Uwe. “Sie denkt, ich gehe jeden Tag zur Schule!”

“Wieso?” fragte Thomas erstaunt. “Das muss sie merken, wenn du hierbleibst!”

“Nein’, sagte Uwe, “sie merkt das nicht.
Sie geht doch schon um sechs Uhr zur Arbeit, bevor ich fort muß!”
Thomas ließ sich auf einen Stuhl fallen.
Thomas erzählt Uwe, dass er dem Lehrer und den anderen nichts von der Sache gesagt hat.
Uwe bereut das Ganze. Er will doch kein Dieb sein.
Er wollte nicht mehr zur Schule gehen.
Es war gut, dass Thomas gekommen war.
Uwe bekommt wieder Mut und will wieder in die Schule kommen. Aber er braucht einen Entschuldigungszettel.

Thomas will ihm weiter helfen. Aber, wie?
Was sollen die beiden tun? Was hättet ihr getan?

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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