"Civilizatia adevarata a unui popor consista nu in adoptarea cu deridicata de legi, institutii, etichete, haine straine. Ea consista in dezvoltarea naturala, organica a propriilor puteri, a propriilor facultati ale sale" >  Mihai Eminescu

 

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 Grammatik 6/8 

 Texte 6/8 

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Der gelehrte Rabe

von Martin Auer
 

 

Es war einmal ein König.
Der König war reich.
Er war gern reich.
Er liebte es, Sachen zu haben.
Und er liebte es, Sachen zu bekommen.
Ja, das liebte er besonders.
Wer von ihm etwas wollte, der musste ihm etwas schenken.
Das war natürlich nicht ganz einfach,
denn der König hatte ja schon alles.
Fast. Wenn man ihm etwas schenkte,
was er schon hatte, dann wurde er grantig.
Dann war mit ihm drei Tage lang überhaupt nicht zu reden.
Aber wenn man ihm etwas schenkte,
was er noch nicht hatte,
dann konnte man von ihm praktisch alles haben -
wenn es nichts kostete.
Ein Gesetz zum Beispiel.
Ein Gesetz, das schüttelte er nur so aus dem Ärmel.
Wenn man ihm etwas Tolles schenkte,
dann konnte man sogar ein vernünftiges Gesetz vom ihm bekommen.
Zum Beispiel, dass alle Kinder
gegen gefährliche Krankheiten geimpft werden müssen.
Aber wenn ihm etwa ein Fabrikant
von Erdbeerkaugummi etwas Tolles schenkte,
dann konnte er von ihm auch ein Gesetz haben,
das die Einfuhr von Pfefferminzkaugummi verbot.

Eines Tages brachte ihm ein Jäger einen jungen Raben.
"Na ja",
sagte der König,
"einen Raben habe ich zwar noch nicht -
aber so ein tolles Geschenk ist das wohl auch nicht.
Wenn er wenigstens aus Gold wäre."
"Sie können ihm das Sprechen beibringen",
sagte der Jäger.
"Ein sprechender Rabe - sowas hat nicht jeder!"
"Ah, das ist was anderes",
sagte der König.
"Kann ich irgend was für dich tun?
Ein Gesetz erlassen?"
"Nein danke",
sagte der Jäger,
"ich wüsste nicht, was.
Oder höchstens -
aber nein, das machen Sie ja doch nicht."

Und damit ging er davon.
Und bis heute weiß niemand,
welches Gesetz der Jäger sich gewünscht hätte,
wenn er sich eines gewünscht hätte.

Der König freute sich
und sprach jeden Tag mit dem Raben.
Er sagte ihm:
"Na, wie geht's denn dem Bubi?"
und:
"Na, was macht denn der Bubi?"
und:
"Will der Bubi ein Keksi?"
Und wirklich, der Rabe antwortete bald:
"Bubi geht's gut!"
und
"Bubi ist brav!"
und
"Bubi will Keks!"

Aber mit der Zeit wurd dem Raben schrecklich langweilig.
Der König sagte immer dasselbe.
Jeden Tag. Wie ein Rabe.
Das war furchtbar.
Der Rabe hatte Angst,
dass er mit der Zeit genau so dumm
werden würde wie der König.
Und als der König eines Tages vergaß,
das Türchen des Käfigs zu schließen,
da flüchtete der Rabe.

Der Rabe flog in die Bibliothek des Königs und begann zu lesen,
um sich von dem dummen Geschwätz des Königs zu erholen.
Als er alle Bücher in der Bibliothek gelesen hatte,
flog er aus dem Fenster,
und suchte, wo er noch mehr Bücher finden konnte.

Nach und nach las er alle Bücher
in allen Bibliotheken des Landes.
Aber er wollte immer noch mehr wissen.
Also suchte er weise Männer und redete mit ihnen
und fragte sie aus und ließ sich alles beibringen,
was sie wussten.
Und als er mit allen weisen Männern des Landes gesprochen hatte,
machte er noch eine Runde und sprach mit allen weisen Frauen
des Landes und fragte sie aus und ließ sich alles beibringen,
was die weisen Frauen wussten.
Und das war auch nicht wenig.
Und als er mit allen weisen Frauen des Landes gesprochen
und sie ihm alles beigebracht hatten,
was sie wussten, da flog er über die Grenze und las alle Bücher
in allen Bibliotheken der Welt und sprach
mit allen weisen Männern und allen weisen Frauen der ganzen Welt
und ließ sich alles beibringen,
was sie wussten.
Er besuchte alle Schulen und alle Universitäten aller Länder.
Und als er alles gelernt hatte,
was man aus Büchern lernen kann,
und als er alles erfahren hatte,
was man von anderen Leuten erfahren kann,
da begann er erst richtig zu forschen
und zu studieren und Dinge selber herauszufinden.
Und er fand alles heraus
was man über die Dinge unter der Erde herausfinden kann.
Und er fand alles heraus,
was man über die Dinge unter Wasser herausfinden kann.
Und er fand alles heraus,
was man über die Dinge unter dem Himmel herausfinden kann.
Und er fand alles heraus,
was man über die Dinge auf der Erdoberfläche herausfinden kann.
Er fand alles heraus über die Menschen
und wie sie miteinander leben,
wie sie arbeiten und lieben
und kämpfen und spielen.
Er studierte alle Handwerke und alle Berufe
und alle Wissenschaften.
Dieser Rabe war wirklich ein sehr gelehrter Vogel.
Und die Leute nannten ihn den Vogel des Wissens.

Eines Tages fragte ihn ein Kind:
"Ist ein Ei eigentlich ein lebendiges Ding oder ein totes?"
Da erzählte der Rabe ihm diese Geschichte...

So. Und wenn du diesem klugen Vogel,
dem gelehrten Raben begegnen würdest
– was würdest du ihn fragen?

Du kannst dir vorstellen,
dass dieser Rabe ziemlich beschäftigt ist. Viele Leute wollen ihre Fragen beantwortet haben.
Also kannst du ihm höchstens drei Fragen stellen.
Überleg's dir also gut.
Die Antworten könnten dein Leben verändern.

Worüber hast du dich immer schon gewundert,
was hat dich immer schon geplagt
was wolltest du immer schon gerne wissen?
Bedenke:
Der Vogel ist kein übernatürliches Wesen.
Er ist nicht allwissend,
er ist kein Hellseher.
Nur sehr, sehr gelehrt.
Es hat keinen Sinn, ihn nach den Lottozahlen
für nächste Woche oder etwas Ähnlichem zu fragen.

Damit der Rabe sich ein bisschen besser auskennt,
solltest du ihm auch erzählen,
wie du auf diese Fragen gekommen bist,
warum sie dich so beschäftigt.
Bei welcher Gelegenheit hast du dir diese Frage
zum ersten Mal gestellt?
Hast du vielleicht versucht,
diese Frage anderen Leuten zu stellen,
und keine Antwort bekommen?
Oder eine dumme Antwort?
Welche? Oder hast du eine Antwort bekommen,
die du einfach nicht glauben kannst?
Hast du selber schon versucht,
dir eine Antwort zu geben?
Wie könnte deiner Meinung nach die Antwort lauten?

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

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