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 Grammatik 2/8 

 Texte 2/8 

 INDEX 

 Wortschatz 

 

Michael' s Schaukelpferd

von Karin Ernst

 

Eine Vorweihnachtsgeschichte

Philip hat Langeweile.
In seiner Straße wohnen viele Kinder.
Kein Freund ist heute zu hause.
Nur Lisa von nebenan spielt draußen.
Sie ruft Philip, aber er hat keine Lust, mit ihr zu spielen.
Sie will immer nur mit Puppen spielen,
und er soll der Vater sein.
Lieber rollert er noch ein wenig.
Philip darf so weit von zu hause weg, dass Mama ihn noch aus dem Fenster sehen kann.
Jetzt winkt er ihr zu, dann fährt er bis zum Ende der Straße.
Hier kennt er sich aus.

Ein einzelnes kleines Haus steht dort.
Viel kleiner, als die anderen, die alle neu gebaut wurden.
Der Garten am kleinen Haus am Ende der Straße ist fast zugewachsen.
Gerne steht Philip dort und schaut.
Wie ein Zaubergarten sieht er aus.
Blumen aller Art und Farben wachsen dort.
So viele, dass Philip nicht weiß, welche er sich zuerst ansehen soll.
Herbstastern blühen in voller Pracht.
An einer Hauswand steht ein weißer Rosenstock.
Ein paar Blüten sind noch dran.
In der Mitte des Gartens steht ein großer Apfelbaum.
Die Äpfel sind schon abgepflückt.
Ein paar liegen am Boden.
Vögel fliegen dorthin, um dran zu picken.

In dem Haus wohnt Herr Feierabend, ein alter Mann.
Philip und seine Eltern kennen ihn schon lange.
Die Leute erzählen, er sei wunderlich geworden.
Ganz allein lebt er dort mit einem großen Hund.
Philip mag Shiva. So heißt der Hund.
Er bellt ihn nie an, obwohl er ein Wachhund ist und auf das Haus aufpassen soll.

Herr Feierabend kommt heraus und zeigt Philip seinen Garten.
Ein wenig spielt der Junge auch mit Shiva.
Herr Feierabend kocht inzwischen Kakao.
Dann holt er seinen Besuch ins Haus zu Kakao mit Kuchen.
Im Wohnzimmer steht ein großer Kachelofen mit einer Bank davor.
Da sitzt Philip am liebsten. Richtig gemütlich ist es dort.
Sie unterhalten sich ein wenig, aber Herr Feierabend redet nicht viel.
Philip schaut sich im Zimmer um und wippt mit den Beinen.

"Du darfst dir gerne alles ansehen",
sagt Herr Feierabend.
"Auch das Zimmer dort hinten in der Ecke?"
fragt Philip.
"Nein, das Zimmer betrittst du bitte nicht",
antwortet Herr Feierabend.
"Versprichst du das?"
"Ja",
antwortet Philip.
"Ich verspreche es".

Seine Neugier ist größer. Vorsichtig sieht er sich um.
Der freundliche Mann spricht mit jemandem an der Haustür.
Ich schaue nur ganz kurz hinein, überlegt Philip.
Leise öffnet er die Tür und macht große Augen.
Es ist ein altes Zimmer, ein bisschen dunkel und unheimlich.
Mitten im Raum steht ein großes, wunderschönes, buntes Schaukelpferd.
Fast meint Philip, es würde ihn anlächeln und mit einem Auge zwinkern.
Nicht satt sehen kann er sich an dem Tier.
So ein Schaukelpferd hat er noch nie gesehen.
Er traut sich heran und probiert es aus.

Vergessen sind sein Versprechen und die Zeit,
bis Herr Feierabend zurück kommt und Philip in dem verbotenen Zimmer findet.
Böse sieht er aus und schickt den Jungen schnurstracks nachhause.
Erschrocken nimmt er seinen Roller und fährt heim.
Dort geht er in sein Zimmer und denkt an das schöne Pferd.
Wem mag es gehören? Herr Feierabend ist schon ein alter Mann und hat doch gar kein Kind.
Mama und Papa wissen auch keine Antwort.

In den nächsten Tagen lockt es Philip wieder zu dem Haus von Herrn Feierabend.
Freudig begrüßt ihn dessen Hund.
Hinein darf er nicht mehr.
Im Garten ist ihm langweilig. Jetzt ist Herbst, und es gibt nichts mehr zu sehen.
Lieber schaut er durch das Fenster in das Zimmer, in dem das hübsche Spielzeug wartet.
Es sieht aus, als würde es ihm zulächeln.
Der Kleine lächelt zurück.
Das Wetter wird schlechter, so dass Philip nicht mehr oft draußen spielen kann.
Also besucht er auch nicht Herrn Feierabend.
Außerdem hat er im Kindergarten viel zu tun.
Dort wird gebastelt, weil bald Weihnachten ist.
Weihnachtslieder werden gelernt.

Auch zuhause gibt es viel zu tun.
Er hilft beim Plätzchenausstechen und sucht den Weihnachtsbaumschmuck aus.
Beim Einschlafen träumt er manchmal von dem bunten Schaukelpferd.
Weihnachten!
Papa und Philip haben einen großen Tannenbaum gekauft,
den alle zusammen schmücken.
Richtig strahlend sieht er aus.
Schade nur, dass es nicht schneit.
Dann wäre Weihnachten noch schöner, denkt Philip.
Einen Tag nach dem Fest klingelt es nachmittags an der Tür.
Es ist Sonntag, und alle sind zuhause.
Philip öffnet und freut sich. Draußen steht Herr Feierabend.
Einen großen Karton hat er mitgebracht,
den er gar nicht allein tragen kann.
Die Eltern bitten ihn herein. Es gibt Kaffee und Kuchen.
Philip schaut immer auf den großen Karton.
Was da wohl drin sein mag?

Nach dem Kaffeetrinken nimmt Herr Feierabend Philip zur Seite.
"Der Karton ist für dich. Wollen wir ihn zusammen auspacken?"
Philip nickt ganz aufgeregt.
Heraus kommt das große, wunderschöne, bunte Schaukelpferd.
Der Junge schaut Herrn Feierabend an.
Der alte Mann lächelt ihm freundlich zu.
"Das gehört jetzt dir".

Neu bearbeitet hat Herr Feierabend das Pferdchen.
Frisch gestrichen sieht es aus.
Immer noch schaut es, als würde es lächeln.
Philip kann es gar nicht fassen,
dass das Schaukelpferd jetzt ihm gehört.
Er drückt Herrn Feierabend ganz stark.
Der wischt sich eine Träne aus dem Auge.
Philip schaukelt selig auf seinem neuen Pferdchen,
als Herr Feierabend anfängt zu erzählen.
Er hatte einen kleinen Jungen in Philips Alter.
Sein Name war Michael. Michael hatte genau solche blonden Haare wie Philip.
Eines Tages war er ins Eis eingebrochen.
Weil er zu spät gerettet wurde, starb er an Unterkühlung.
Philip wird ganz traurig.
Jetzt kann er verstehen, warum Herr Feierabend manchmal so grantig ist.

Herr Feierabend war früher Tischler.
Das Schaukelpferd hatte er für seinen Sohn zu dem Weihnachtsfest gebaut,
als er vier Jahre alt war.
Weil er sich immer freut, wenn Philip ihn besuchen kommt,
soll das Schaukelpferd jetzt bei ihm wohnen.
Philips Freude ist riesengroß.

"Mama, Herr Feierabend könnte uns öfter besuchen kommen."
"Das ist eine gute Idee. Nächsten Samstag kommen meine Eltern zu Besuch.
Möchten Sie nicht auch dazu kommen?
Wir würden uns wirklich freuen."
Sie sieht Herrn Feierabend fragend an.
"Gerne komme ich zu Ihnen. Meist bin ich allein und habe Zeit,"
antwortet Herr Feierabend fröhlich.
Philip meint, sein Schaukelpferd würde wieder mit dem Auge zwinkern und ihm zulächeln....

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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