"Civilizatia adevarata a unui popor consista nu in adoptarea cu deridicata de legi, institutii, etichete, haine straine. Ea consista in dezvoltarea naturala, organica a propriilor puteri, a propriilor facultati ale sale" >  Mihai Eminescu

 

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 Wortschatz 

 

Joscha unterm Baum - Juli

von Martin Auer

 

Im Juli haben die Leute vom Tal viel zu tun.
Sie ernten Heu oder dörren Fische,
denn die Tage sind lang und müssen genutzt werden.
Aber die Nächte sind warm und zu schön,
um zu schlafen,
und so sitzen sie abends oft beisammen
und erzählen Geschichten.

Überall brennen Feuer,
um die sich die Leute scharen.
Sie schauen den Funken zu,
die über dem Feuer tanzen,
oder sie liegen auf dem Rücken und schauen die Sterne an und die Leuchtkäfer,
die sanft vorübergleiten.

Die Lina ist hiergeblieben,
jede Hilfe wird gebraucht bei der Ernte.
Sie sitzt mit den Leuten am Feuer
und erzählt von den Ländern und Völkern,
die sie gesehen hat.
Sie erzählt von Ländern,
wo die Menschen sehr tapfer sind.
Manche leben in Eis und Kälte im Land der langen Dunkelheit,
andere leben hoch in den Bergen,
wo die Luft sehr dünn ist und wilde Stürme wehen.
Andere leben im heißen Licht der Wüsten
und andere an den kargen Meeresstränden.
Dann erzählt sie von Ländern,
wo die Menschen in Angst voreinander leben,
wo keines dem anderen traut,
nicht einmal die Mutter dem eigenen Sohn.

Wer glaubt, der Stärkere zu sein,
beraubt und bestiehlt dort den anderen,
denn Stärke gilt dort als Recht und Schwäche als Unrecht.
Sie erzählt auch von Ländern,
wo alle miteinander handeln.
Dort gibt keiner etwas her ohne zu fragen:
"Was bekomme ich dafür?",
und sie reden nur darüber,
wieviel ein Ding wert ist und welche anderen Dinge
man dafür eintauschen könnte.
Ihre größte Freude ist,
viel für wenig einzutauschen,
und sie sind stolz auf sich,
wenn sie einen anderen übers Ohr hauen können.

Dann erzählt die Lina von Völkern,
deren größte Freude es ist,
in den Krieg zu ziehen und über andere herzufallen.
Sie erobern Länder und gründen Reiche,
und eines Tages setzen sie sich auf ihre Pferde und reiten weiter,
bis sie irgendwo besiegt und erschlagen werden.
Die Lina erzählt von Menschen,
die an Teufel und Geister glauben
und ständig in Angst leben,
etwas falsch zu machen,
wofür sie bestraft werden könnten.
Ein jedes paßt dort auf das andere auf,
und alle nörgeln aneinander herum und tuscheln heimlich,
daß den oder jene bestimmt bald der Teufel holen wird.

Aber dann erzählt die Lina auch von großen Kunstwerken,
die die Menschen in anderen Ländern schaffen,
von Pyramiden und Palästen,
von Markthallen und Badehäusern,
von breiten Straßen und großen Schiffen und von den Menschen,
die all das schaffen.
Sie erzählt von Handwerkern und Gelehrten,
von Sängern und Tänzern und Schauspielern,
von Akrobaten und Taschenspielern,
von Ärzten und Baumeistern und Köchen und all den tausend Beschäftigungen,
denen Menschen nachgehen können.
"Ja",
sagen die Leute,
"das sind wirklich interessante Sachen,
die du uns erzählst."

"Nicht wahr?"
sagt die Lina.
"Aber jetzt hab' ich genug."
Und sie sagt zum Joscha:
"Erzähl du etwas!"
Und der Joscha erzählt von seinem Garten.
Der Joscha erzählt von Kröten,
die ihre Männchen auf dem Rücken herumtragen.
Er erzählt von Schmetterlingen,
die nicht fressen können,
weil ihr Mund zugewachsen ist.
Gefressen haben sie als Raupen.
Als Schmetterlinge leben sie nur mehr für die Liebe.
Der Joscha erzählt von einem seltsamen Fisch,
der in seinem Teich lebt.
Er läßt seine Eier von einer Muschel ausbrüten.
Dafür läßt der Fisch die jungen Muschellarven
in seinem Körper leben.

Dann erzählt der Joscha eine schaurige Geschichte:
Eine Fliege gibt es,
die stirbt sofort, wenn sie ihre Eier gelegt hat.
Sie klammert sich an einen Zweig überm Wasser,
klebt ihre Eier daran und stirbt.
Dann kommt die nächste Fliege,
hängt sich an die tote Fliege,
legt ihre Eier und stirbt.
So geht es fort, bis sich ein großer Klumpen toter Fliegen gebildet hat,
der da an dem Zweig hängt.
Wenn dann aus den Eiern die Maden schlüpfen,
ernähren sie sich von ihren toten Müttern.
Dann lassen sie sich ins Wasser fallen
und leben dort weiter, bis sie sich selber in Fliegen verwandeln.

Diese Fliege heißt Ibisfliege und hat glashelle Flügel.
"Schrecklich!"
sagen die Leute.
"Daß es so etwas gibt!"
Und einige sagen:
"Ja, ja, so ist es.
Die Kinder fressen uns auf!"

"Das ist eben wahre Mutterliebe!"
sagen andere.
Und so reden sie eine Weile,
und die Kinder schmiegen sich ihren Müttern
in den Arm und sagen ihnen,
daß sie lieber lebendige Mütter haben als welche,
die sich auffressen lassen.
"Aber",
sagen die Leute zum Joscha,
"willst du nicht auch einmal reisen?"
Der Joscha verschränkt die Arme hinterm Kopf,
legt sich zurück und schaut in den Sternenhimmel.

"O ja",
sagt der Joscha,
"ich möchte gern einmal reisen.
Ich will alles wissen und alles kennenlernen,
die ganze Welt und wenn möglich den Himmel.
Zuerst unser Tal,
dann die düsteren Berge im Norden.
Dann möcht' ich den Bach hinunterwandern
und die Länder am großen Fluß kennenlernen.
Danach die Länder jenseits davon
und dann die Länder dahinter.
Ich will die Länder der traurigen Menschen kennenlernen
und die der fröhlichen.
Die Länder am Meeresstrand und die Länder,
wo es Gletscher gibt.

Dann die Länder,
wo viele Bücher gedruckt werden und wo Gelehrte
in den Städten hausen.
Dann möchte ich alle Wüsten erforschen und alle Urwälder.
Danach möchte ich über die Meere segeln,
wo die Wale singen und es fliegende Fische gibt.
All das möchte ich eines Tages sehen!"
"Und wann brichst du auf, Joscha, zu deiner großen Reise,
wann machst du dich auf den Weg?"
"Ich weiß nicht",
sagt der Joscha verträumt,
"ich bin noch nicht soweit.
Ich kenn' ja noch nicht einmal meinen Garten."

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

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