"Civilizatia adevarata a unui popor consista nu in adoptarea cu deridicata de legi, institutii, etichete, haine straine. Ea consista in dezvoltarea naturala, organica a propriilor puteri, a propriilor facultati ale sale" >  Mihai Eminescu

 

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 Wortschatz 

 

Joscha unterm Baum - März

von Martin Auer

 

Im März stapft der Joscha mit hohen Stiefeln im Garten.
Er sucht die ersten Blumen, dort,
wo die Sonne den Schnee schon geschmolzen hat.
Den ersten Blumen gibt der Joscha jedes Jahr neue Namen.
"Diese hier nenne ich Schneewunder und diese hier Frühlingsglocke.
Die kleinen da heißen Frostkindchen und die noch kleineren Mutsternchen."

"Ja",
sagen die Leute, die an Joschas Garten vorüberkommen,
"das sind gute Namen."
Und sie merken sie sich und sagen sie weiter,
und das ganze Tal weiß,
wie in diesem Jahr die ersten Blumen heißen.
Und das ist die Aufgabe,
die die Leute vom Tal dem Joscha gegeben haben,
denn nicht jeder darf den Blumen neue Namen geben.
Zum Frühlingsfest kommen alle zusammen.
Sie treffen sich dort, wo die meisten Blumen sind.
Dort hocken sie sich auf den Boden und sagen:
"Willkommen, Schneewunder, herzlich willkommen, Frühlingsglocke.
Hallo, Frostkindchen, bald wird es wärmer.
Bravo, Mutsternchen, alle Achtung!"
Und dann schenken sie einander Sachen,
die sie gebacken, gekocht oder gestrickt haben.
Und während sie essen und ihre Strickjacken anprobieren,
trägt der Joscha seine Gedichte vor.
"Das sind gute Gedichte",
sagen die Leute.
"Können wir das mit den grünen Insekten
und den schwimmenden Pflanzen noch einmal hören?
Die wie Boote aus fernen Gegenden kommen?"
Und der Joscha sagt es noch einmal.

Da kommt die Lina.
Sie hat glänzende Steine aus den westlichen Höhlen geholt,
damit das Fest noch schöner wird.
Ein jedes darf sich einen Stein aussuchen,
aber dem Joscha sucht sie selber einen aus.
Es ist ein sehr kleiner Stein,
aber blau, tiefblau, daß man drin versinken möchte.
Dann spielen sie Spiele miteinander:
"Hase und Schildkröte"
spielen sie,
"Fuchs und Igel"
und
"Kleine Waldameise, wo gehst du hin?".
Danach wird getanzt.
Und dann wird ein Feuer gemacht,
und es werden Geschichten erzählt.
Der Joscha weiß die meisten Geschichten:
Märchen und alte Legenden kennt er,
aber auch die Geschichten vom Tal.
"Erzähl, wie damals die Lina das Mondeisen gefunden hat!"
sagen die Leute zu ihm.
Und der Joscha erzählt,
und die Lina sitzt neben ihm.

Und er erzählt,
wie die Leute vom Tal das Eisen früher aus den Düsteren Bergen holen mußten,
wenn sie welches brauchten.
Niemand geht gern in die Düsteren Berge,
dort leben düstere, freudlose Leute,
die es nicht mögen, wenn Fremde kommen.
Die Düsteren Leute können das Eisen aus der Erde holen,
sie wissen, wo es versteckt ist.
Aber sie geben es nicht gerne her,
ganz gleich, was man ihnen dafür bietet.
Manchmal ließen die Düsteren die Leute vom Tal tagelang vor ihren Türen warten,
und dann sagten sie:
"Geht nach Hause, wir haben kein Eisen."
Dann zogen die Leute vom Tal wieder ab
mit all den wollenen Kleidern,
den Früchtekörben und Schachteln voll Gebackenem,
die sie gegen das Eisen hatten eintauschen wollen.
Das alles erzählt der Joscha,
und die Leute nicken und sagen:
"Ja, genauso war es und manchmal noch schlimmer.
Es ist wirklich schwer auszukommen mit den Düsteren."

Und der Joscha erzählt,
wie die Leute vorn Tal jeden rostigen, verbogenen Nagel noch einmal geradeklopften,
wie sie jedes Messer so lange schärften,
bis es so dünn war, daß es nur noch eine Schneide,
aber keinen Rücken mehr hatte.
Aber irgendwann war es dann doch wieder soweit
und konnte nicht länger hinausgeschoben werden:
die Leute packten seufzend zusammen,
was ihnen am schönsten und kostbarsten erschien,
und machten sich auf,
um es wieder einmal bei den Düsteren zu versuchen.
Eines Tages kam die Lina zurück von einem ihrer Streifzüge.
Sie kam gerade zurecht zum Frühlingsfest.
Damals lebte der alte Herr Weizenkorn noch,
und der war der beste Geschichtenerzähler,
den das Tal jemals hatte.
"Na, na, du bist auch nicht schlecht",
unterbrachen einige den Joscha,
und ein paar andere sagten:
"Pst, laßt ihn doch weitererzählen!"
Als es Abend wurde und Zeit zum Geschichtenerzählen,
da bat die Lina den Herrn Weizenkorn:
"Erzähl uns doch,
wie damals der Mond vom Himmel gefallen ist!" . ...........

"Ja",
sagte der Herr Weizenkorn,
"das ist passiert,
als der Vater vom Vater meines Vaters noch ein Kind war.
Eines Nachts fiel etwas vom Himmel,
etwas wie ein Stern oder gar der Mond.
Es leuchtete hell wie ein nächtlicher Blitz
und fuhr mit einem gellenden Pfeifen quer über den Himmel.
Es erleuchtete das ganze Tal,
bevor es verschwand.
Und dann war alles dunkel und still.
Erschreckt liefen die Leute aus ihren Häusern und Höhlen.
Frierend und traurig kamen sie bei der alten Linde zusammen,
dort, wo sie sich von alters her treffen,
wenn es etwas zu bereden gibt.
,Der Mond ist vom Himmel gefallen!'
sagten welche.
,Nein, es war ein Stern',
sagten die anderen.
Aber alle hatten große Angst,
daß es nie mehr helle Nächte geben würde,
daß alle Nächte nun immer dunkel sein würden wie die Neumondnächte,
in denen die Leute nur ungern aus ihren Häusern gehen.
,Und wie werden wir wissen,
wann es Zeit ist zu säen und zu ernten,
wenn wir uns nicht mehr nach dem Zunehmen und Abnehmen
des Monds richten können?'
jammerten andere.
,Und überhaupt,
wenn der Mond vom Himmel fallen kann,
dann kann alles passieren.
Dann ist nichts mehr sicher auf dieser Welt!'
weinten wieder andere.
Und sie dachten,
daß bald die Welt untergehen würde.
Es folgten schreckliche Wochen.
Denn es kamen die Herbststürme,
und immer war der Himmel von Wolken verdeckt.
Die Leute konnten einfach nicht feststellen,
ob der Mond noch da war oder nicht.
Und sie dachten,
die Stürme seien besonders heftig,
und das sei, weil der Mond heruntergefallen war.
Aber endlich hörten die Stürme auf,
und der Himmel wurde klar.
In dieser Nacht konnte keines schlafen,
alle warteten,
ob der Mond sich zeigen würde.
Die Sterne schienen ruhig und klar,
aber der Mond war nicht zu sehen.
Die Leute warteten bis zum Morgen,
aber der Mond kam nicht.
Da weinten viele und verloren allen Mut.
Endlich rechnete einer nach -
es war der Vater meines Vaters -
und bemerkte, daß in dieser Nacht Neumond war
und der Mond auf keinen Fall zu sehen sein konnte.
Also hatten sie noch eine Hoffnung.

Aber ihr könnt euch vorstellen,
wie dieser Tag verlief.
Die Leute hatten die ganze Nacht nicht geschlafen,
und jetzt warteten sie verzweifelt auf den Abend.
Sie konnten nichts arbeiten und nichts essen
und wagten es nicht,
einander in die Augen zu sehen,
weil sie dachten, sie würden zu weinen anfangen,
wenn sie die Angst in den Augen der anderen sahen.
Endlich kam der Abend,
die Sonne ging unter,
und da, über den Gipfeln der westlichen Berge,
stand bleich und weiß die dünne Mondsichel.
Da lachten und weinten die Leute durcheinander
und fielen einander in die Arme und küßten sich,
und manche tanzten,
als seien sie vor Freude verrückt geworden.
Wenn wir den neuen Mond sehen,
dann küssen wir noch immer den oder die,
die uns gerade am nächsten ist.
Das war vorher nicht der Brauch.
Das, sagt der Joscha, war die Geschichte,
die der alte Herr Weizenkorn damals erzählte.
Da sagte die Lina:
"Wenn es nicht der Mond war, was war es dann?"
"Ja",
sagte der Herr Weizenkorn,
"vielleicht nur ein Stück vom Mond. Oder ein Stern.
Wer kann das wissen."
Und die Lina sagte:
"Die Leute in den Ebenen unten sagen,
daß manchmal Sterne vom Himmel fallen,
die ganz aus Eisen sind.
Wenn wir diesen Stern finden könnten,
und er wäre aus Eisen,
dann müßten wir nicht mehr zu den Düsteren gehen."

"Und das war eine lange Rede für die Lina",
sagt der Joscha, und die Lina lächelt verlegen.
Denn sie redet nicht so gerne,
wenn viele Leute dabei sind.
Die Lina fragte den Herrn Weizenkorn,
in welche Richtung denn der Stern gefallen sei.
Aber der wußte das nicht.
So fragte sie alle alten Leute,
die vielleicht davon gehört haben konnten,
aber die einen sagten so und die anderen so,
und da konnte sie es nicht herausfinden.
Und manche sagten zu ihr:
"Weißt du, laß den Stern lieber liegen,
wo er liegt.
Zu den Düsteren zu gehen ist zwar kein Vergnügen,
aber schließlich fressen sie uns nicht.
Und wer weiß, ob der Stern uns nicht irgendein Unglück bringt,
wenn man ihn in seiner Ruhe stört."

Aber die Lina forschte weiter,
und einmal redete sie mit einem,
der sagte:
"Wenn so ein Stern auf die Erde fällt
oder ein Stück vom Mond -
das muß doch ein riesiges Loch geben,
wo das hingefallen ist.
Weißt du nicht irgendein großes Loch in der Erde,
du wanderst doch soviel herum?"

Daß dieser eine, der das gesagt hat,
der Joscha selber gewesen ist,
das erzählt er nicht.
Die Leute wissen es aber sowieso,
und sie lächeln.
"Natürlich!"
sagte die Lina,
"daß ich daran nicht gedacht habe.
Im Hundertschattenwald,
wo's durch die Bärenschlucht geht,
da hab' ich einmal einen Krater entdeckt.
Die Erde ist da kohlschwarz,
als ob dort alles einmal verbrannt wäre."
Und da ging die Lina hin,
ganz allein, und hieb sich mit ihrem Messer einen Weg durchs Gestrüpp,
bis sie den Stein fand.
Er war groß wie ein kleiner Berg
und hatte sich tief in die Erde gegraben.
Die Lina klopfte Stücke von dem Stein,
und als sie mit ihrem Hammer daraufschlug,
da klang es wie Eisen.
"Und so hat die Lina das Mondeisen gefunden",
sagt der Joscha,
"und wir müssen nicht mehr zu den Düsteren gehen!"

"Ja, ja, die Lina, das ist schon eine!"
sagen die Leute anerkennend.
Und die Lina wird ein bißchen rot und geht nach hinten,
wo es dunkler ist.
Als das Holz verbrannt ist,
verabschiedet man sich.
Man schüttelt einander die Hand, gratuliert sich,
daß der Winter vorbei ist, und sagt:
"Die Wege sind jetzt ohne Schnee,
da müssen wir uns wieder öfter besuchen."
"Ja, das müssen wir",
ist dann die Antwort.
"Komm, wann du willst, mein Haus ist dein Haus!"
Und dann gehen sie schlafen.

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

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