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 Grammatik 4/9 

 Texte 4/9 

 INDEX 

 Wortschatz 

 

Tinas neue Freundin
 

nach “Tina und das Haus in der Weide” von Helga Weichert

Endlich waren die Ferien gekommen.
Tina verabschiedete sich von ihrer Freundin Karin.
Karin würde schon in der kommenden Nacht mit den Eltern nach Italien, an die Adria, fahren.
Tinas Eltern wollten dieses Jahr in Norddeutschland Urlaub machen.
Auf dem Lande, in einem Dorf.
Das Dorf hieß Winterstein.

Am Morgen fuhren sie los.
Im Auto war es nicht langweilig.
Tina sah zum Fenster hinaus und betrachtete die Landschaft.
Nach ein paar Stunden fuhren sie durch weites, flaches Land.
Vater bog von der Autobahn ab und jetzt fuhren sie eine schmale , sandige Straße entlang.
Auf einmal sahen sie vor sich ein weißes Haus, das mit Schilf bedeckt war.


Mutter sagte:
“Na, Tina, wie gefällt dir dein Bauernhaus?”
“Gut. Es ist viel größer, als ich es mir vorgestellt habe.
Darf ich reingehen?”
“Nein. Noch nicht.”, sagte der Vater.
Er ging um das Haus herum.
Die Eingangstür war zugesperrt und verriegelt.
Die Sonne beschien das freundliche Haus.
 

“He, was machen Sie hier?”
Eine unfreundliche Stimme ertönte hinter ihnen.
Da stand ein schwarzhaariger, finster blickender Mann.

“Ich heiße Kleinmann.
Das Haus hier gehörte meiner Tante.
Sie ist leider gestorben und das Haus gehört jetzt uns.
Hier ist das Testament und der Erbschein.
”Vater zeigte dem Mann die Papiere.

Dieser nickte und sagte:
“Ich bitte um Verzeihung, aber ich sehe hier nach dem Rechten.
Ich habe für Ihre Tante gearbeitet.
Hier ist der Haustürschlüssel.
Ich gehe jetzt.”
Der fremde Mann wandte sich ab und ging weg.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Tina war total überrascht. Sie hatte nicht so viel von dieser Tante gewußt.
Aber das Haus war schön. Vier Zimmer gab es im Haus und eine Küche.
“Hallo, Tina!” Vaters Stimme ertönte aus dem Nebenzimmer.
“Tina, hier liegt ein Brief für dich. Er ist von Tante Dora.”
Tina öffnete zögernd den Brief. Und sie las laut, was da stand:
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
“Meine liebe Bettina,
Du wirst Dich vielleicht fragen, warum ich Dich zu meiner
Erbin eingesetzt habe. Aber ich bin nun alt, und ich habe
Niemanden mehr auf der Welt, der mir nahesteht. Vor einiger
Zeit fand ich in einer Zeitung Dein Bild. Du hattest in einem
Sportwettbewerb einen Preis bekommen. Ich habe Dich sofort
erkannt. Denn Du siehst so aus, wie ich als junges Mädchen
ausgesehen habe. Ich dachte mir, Du würdest Dich vielleicht
freuen über das Haus. Und streite Dich nie in Deinem Leben
mit Menschen, die Dir nahestehen. Deine Tante Dora.
Mein Schmuck will ich Dir hinterlassen. Such im oberen Fach
des Schreibtisches. Da ist das Schmuckkästchen.
Leb wohl!”
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Alle waren von Tante Doras Worten tief bewegt.
Die alte Dame hatte wohl recht. Vater machte sich Vorwürfe.
Tina legte den Brief auf den Schreibtisch und zog die obere Schublade weit heraus.
Aber da war nichts.
Tina suchte überall danach. Vergebens. Sie war sehr traurig.
Eines Abends kam der Vater mit Neuigkeiten nach Hause.
Er hatte im Dorf mit verschiedenen Leuten geredet.
Alle verdächtigen den Gastarbeiter, einen Türken, der bei Tante Dora gearbeitet hat.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Am nächsten Tag ging Tina einkaufen.
Die Mutter hatte ihr auf einem Zettel aufgeschrieben, was besorgt werden sollte.
Nachdem alles erledigt war, ging Tina wieder nach Hause.
An einer Weggabelung sah sie ein Mädchen.
Das Mädchen hatte offenbar hier auf Tina gewartet.

“Du bist vom ‘Haus Dora’, nicht wahr?”, sagte das fremde Mädchen.
“Ich bin Fatima. Fatima Raschid.
Mein Vater hat bei deiner Tante gearbeitet.”
“Ja, ich weiß”, sagte Tina leise.
“Mein Vater ist kein Dieb. Das wollte ich dir sagen!”
Das Mädchen lief davon.
Tina sah ihr nach, drehte sich um und setzte ihren Weg fort.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Am nächsten Morgen ging Tina mit einem Badetuch unter dem Arm zum See.
Der See war ganz in der Nähe.
Es war Mittagszeit und sehr heiß. Die Sonne stand hoch am Himmel, kein Windhauch bewegte die Blätter.
Vater und Mutter hatten sich zu einem kurzen Mittagsschlaf hingelegt.
Aber Tina fand, es wäre das richtige Wetter
für ein erfrischendes Bad im See.
Am See herrschte lebhafter Betrieb.
Am gegenüberliegenden Ufer war ein Campingsplatz.
Dort standen Zelte und Wohnwagen, dazwischen Autos und Motorräder aller Größen.
Auf der anderen Seite des Sees, wo Tina stand, waren nur wenige Menschen.
Hier breitete Tina ihr Badetuch aus.
Sie zog ihr Kleid über den Kopf und legte sich hin.
Schon nach ein paar Minuten wollte sie ins Wasser gehen.
Tina rannte ins Wasser hinein.
Das Ufer fiel an dieser Stelle sanft ab.
Auf einmal hatte sie keinen Grund mehr unter den Füßen.
Tina war eine gute Schwimmerin.
Das Wasser war angenehm kühl und sie schwamm zu einem Schilfgürtel.
Herrlich war es hier!
“Vorsicht! Paß auf!” ertönte da eine laute Stimme vom Schilf her.
Tina stockte. Was sollte das bedeuten?
War etwa sie gemeint? Ja, wahrscheinlich.
Denn sonst war kein Mensch hier weit und breit zu sehen.
“Schwimm zurück” rief es da wieder.
“Hier sind viele Seerosen und Schlingpflanzen.
Du kannst leicht steckenbleiben. Es ist gefährlich hier.”
Tina war schon ziemlich nahe an das Ufer herangeschwommen.
Ja, kein Zweifel, sie war gemeint.
Und Tina begriff jetzt auch, daß man sie warnen wollte.
Sie legte sich auf den Rücken und wollte kehrtmachen.
Im gleichen Augenblick merkte sie, wie ihre Beine tief im Wasser Schlingpflanzen streiften.
Augenblicklich wurde ihr die Gefahr bewußt.
Sie machte heftige Stöße.
Aber da war es auch schon zu spat.
Ihr rechtes Bein hatte sich im dichten Wasserpflanzengewirr verfangen.
Und je heftiger sie stieß und strampelte, um so enger schlangen sich die Pflanzen um ihr Bein.

Tina stockte der Atem.
Sie wollte schreien.
Sie wollte um Hilfe rufen.
In diesem Augenblick kam aus dem Schilf ein Boot hervor, ein alter Holzkahn.
Aber er schien Tina in diesem Augenblick wie das schönste Boot, das sie je gesehen hatte.
In den Boot saß das Türkenmädchen Fatima.
Und Fatima paddelte eilig zu Tina hinüber.
“Warte”, sagte sie. “Ich helfe dir heraus. Bleib ganz ruhig.”
Tina kletterte in das rettende Boot. Eine Weile sagte sie nichts.
“Hier an dieser Stelle ist das Baden verboten.
Hast du nicht das Schild gesehen?” fragte Fatima.
“Nein.” Tina schüttelte den Kopf.
“Die Stelle hier ist gefährlich.
Die vielen Seerosen, du siehst ja.
Zum Glück stand der alte Kahn am Ufer.”
“Vielen Dank, Fatima!” sagte Tina.
Fatima lachte ein wenig verlegen.
Die beiden Mädchen verbrachten den Nachmittag gemeinsam.
Sie unterhielten sich über alles Mögliche.
Tina erfuhr, daß Fatima zwölf Jahre alt war, also genauso alt wie sie.
Seit zehn Jahren lebte sie mit ihren Eltern hier in Winterstein.
Der Vater arbeitete in der Papierfabrik.
Der Nachmittag verging schnell.
“Ich glaube, ich muß nach Hause gehen”, sagte Tina und stand auf.
Die Mädchen packten ihre Sachen zusammen und machten sich gemeinsam auf den Heimweg.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Tina und Fatima sahen sich von nun an täglich.
Sie verstanden sich immer besser, und allmählich wurde eine richtige Freundschaft daraus.
Fatima war schon einige Male zu Besuch im “Haus Dora” gewesen.
Und auch Tina hatte Fatimas Eltern besucht.
Sie hatte ihre kleine Zweizimmerwohnung im alten Mietshaus am Ortsausgang kennengelernt.
Als Tina Fatimas Vater zum ersten Mal die Hand gab, war sie etwas verlegen. Herr Raschid sagte:
“Wir haben uns schon einmal gesehen.”
“Ja”, sagte Tina. “Damals hatte ich keine Ahnung…”
“Macht nichts”, sagte der Vater von Fatima. “Du nicht glauben, ich ein Dieb, nein?”
“Nein, natürlich nicht.” Tina schüttelte den Kopf.
Seit ihrer ersten Begegnung hatten die Mädchen nicht über den Diebstahl gesprochen.
Sie hatten es beide vermieden. Und jetzt war alles wieder aufgerührt.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
“Es ist schrecklich!” brach es jetzt aus Fatima heraus.
“Alle glauben, mein Vater ist ein Dieb.”
“Aber, Fatima!” Tina war verlegen.
Es interessiert das alles nicht mehr!”
“Darum geht es doch gar nicht.
Verstehst du denn nicht?” Fatima hatte sich aufgerichtet.
“Es geht darum, daß die Leute glauben, mein Vater ist ein Dieb.
Und er leidet darunter. Er kann sich nicht wehren.” “Laß die Leute reden, soviel sie wollen. Was geht uns das an? Ich glaube dir , Fatima!”
“Ja, du vielleicht.” Fatima standen jetzt die Tränen in den Augen.
“Aber alle anderen Leute trauen uns einen Diebstahl zu. Und das ist schlimm. Nur weil wir Ausländer sind!”
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fatima hatte recht.
Tina hatte schon oft erfahren, wie ungerecht die Leute oftmals Ausländern gegenüber waren.
Warum das so war, wußte Tina nicht.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Tina war wieder zu Hause.
Es war schon später Nachmittag und sie ging ohne Ziel durch das Haus.
Sie wußte nicht recht, was sie jetzt anfangen sollte.
Ihr fiel ein, daß Tante Dora ein Atelier hatte, wo sie malte.
Sie ging zum Atelier hinüber.
Der Raum hatte etwas Geheimnisvolles. Tina setzte sich auf einen Hocker und schaute sich Tante Doras Bilder an.
Eines zeigte Tante Doras Wohnzimmer.
A stand auch der Schreibtisch und man konnte ein Schmuckkästchen sehen.
Natürlich! Tina fiel es wie Schuppen von den Augen.
Ganz bestimmt war das das verschwundene Schmuckkästchen!
Sie betrachtete es genau.
Auf dem Deckel waren Blumen und Blätter gemalt.
Tina erkannte gelbe und rote Rosen. So schön!

Am nächsten Tag fuhr sie mit den Eltern nach Lüneburg, um dort Einkäufe zu machen.
Lüneburg ist eine alte schöne Stadt.
Die Eltern schlenderten mit Tina durch die Straßen.
Auf dem Marktplatz herrschte großes Gedränge, viele Touristen standen hier herum und betrachteten das alte Rathaus.
Bis zum Mittag war alles erledigt.
Dann gingen sie in ein Gasthaus und ließen sich die Jägerschnitzel gut schmecken.
Nach dem Essen gingen sie zum Parkplatz, um ihr Auto zu holen.
Es war jetzt ruhiger in den Straßen.
Am Ende der Krummen Gasse war ein Trödlerladen.
Im Schaufenster war ein schwarzes Kästchen zu sehen.
Tina sah es sich genauer an.
Tina sagte plötzlich:
“Das ist Tante Doras Schmuckkästchen. Ich erkenne es an der Bemalung auf dem Deckel.”
Die Eltern betrachteten zweifelnd den Kasten.
“Ich glaube, Tina, du irrst dich…”, meinte der Vater. Sie fuhren dann nach Hause.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Am Samstagmorgen saß Tina mit Fatima und ihrem Vater im Bus, der nach Lüneburg fuhr.
Die beiden Mädchen redeten nicht viel.
Sie saßen still auf ihren Plätzen und schauten zum Fenster hinaus.
Die Landschaft war wirklich schön.

In Läneburg am Marktplatz war Endstation; alle Leute stiegen aus.
Fatimas Vater ging zum Kaufhaus und die Mädchen gaben vor spazieren zu gehen.
Sie hatten aber ein festes Ziel: den Trödlerladen in der Krummen Gasse.
Tina hatte am Tag zuvor Fatima über ihren Verdacht erzählt.
Fatima sollte sowieso mit ihrem Vater in die Stadt fahren, so daß sie zusammen hinfuhren.

Als sie vor dem Schaufenster des Trödlerladens standen, zeigte Tina auf das Kästchen. Sie sagte:
“Das ist genau das Kästchen, das auf dem Bild gemalt ist. Komm!”
Sie betraten den Laden. Ein alter Mann kam aud dem Dunkel und fragte sie:
“Habt ihr einen Wunsch?”
“Das Holzkästchen hier im Schaufenster”, sagte Tina hastig, “was soll es kosten?”
“Das hier? Ja, das ist eine schöne Arbeit. Zwölf Mark.”
Tina gab ihm das Geld und fragte:
“Können Sie sich erinnern, woher Sie das Kästchen haben?”
Ja, natürlich. Ich habe mich mit dem Mann eine ganze Weile unterhalten.
Ein großer, blonder Mann. Er trug eine blaue Mütze und hatte einen Bart auf der Oberlippe. Fatima wurde bleich.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Endlich erschien Fatimas Vater.
Die Mädchen erzählten ihm alles.
Die Beschreibung paßte auf den Wächter das Campingplatzes auf der anderen Seite des Sees.
Sie gingen zur Polizei und der Dieb wurde verhaftet. Den Schmuck hatte er im Wald vergraben.
Tina freute sich sehr auf den Schmuck von ihrer Tante.
Aber wirklich froh war sie wegen ihrer Freundin.
Die Unschuld von Fatimas Vater war bewiesen und Fatima war glücklich.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Die Ferien negten sich dem Ende zu.
Fatima und Tina waren die ganze Zeit zusammen.
Am Abend vor der Rückreise kam der Vater von einem ausgedehnten Spaziergang zurück.
Tina war traurig:
“Weißt du, Vati, ich überlege, wie das alles nun warden soll.Das Haus steht jetzt leer, wenn wir abreisen.”
“Ja, aber wir kommen im nächsten Jahr wieder. Nun, sag schon, was du auf dem Herzen hast?”
Tina gab sich einen Ruck:
“Na ja, ich dachte…die Familie von Fatima könnte auf das Haus aufpassen, wenn wir hier nicht sind.
Sie könnten solange hier wohnen. Was sagst du dazu?”
Vater nickte nachdenklich:
“Gar kein schlechter Gedanke. Mal sehen, was deine Mutter dazu sagt.”
.Tina lächelte.
“Mutti ist damit einverstanden Ich habe sie schon gefragt. Also, einverstanden?”
“In Ordnung”, sagte der Vater.
Am nächsten Morgen gegen sieben Uhr waren alle da.
Auch Fatimas Mutter und ihr kleiner Bruder wollten sich von Tinas Familie verabschieden.
Sie waren damit einverstanden, hier zu wohnen und im Haus nach dem Rechten zu sehen.
Tina umarmte die Freundin zum Abschied.
“Danke für alles”, sagte Fatima. “Du kannst dich allezeit auf mich verlassen!”
Und dann setzte sich das Auto in Bewegung.
Tina fühlte sich wunderbar. Jetzt hatte sie eine wahre Freundin.
Und sie träumte mit offenen Augen, wie es in den nächsten Ferien sein wird.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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