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 Grammatik 7/10 

 Texte 7/10 

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Dunkelheit

von Stephanie Leitz

 

Die Tür schließt sich hinter ihnen.
Heute hatten sie es eilig, denkt sie.
Sie haben nicht abgeschlossen.
Das ist noch nie zuvor passiert.
Sie waren immer sehr gewissenhaft.
Aber sie dachten, sie schlafe noch.
Sie haben geschaut, ob alles in Ordnung.
Dann sind sie gegangen.
Die Treppen haben gequietscht.
Für einen Augenblick hatte sie einen Spalt Licht gesehen.
Licht in ihrer Dunkelheit.
Ein Schimmer ihrer Weißen Kleidung.
Geräusche in ihre Stille.
Für einen Augenblick war es, als sei hier Leben.

Sie blickt die Treppe hoch.
Sie ist dunkel, fast wie immer.
Nur in den Augenblicken,
in dem ihre Eltern reinkamen, ist es hell.
Sie steht auf. Der Boden fühlt sich kalt an.
Darum beeile sie sich, die Treppe hochzukommen.
Sie legte ihre Hände an das Metall der Tür.
Es fühlt sich glatt und kalt an.
Alles scheint wie immer. Doch es ist anders.
Ihr Herz klopft.
Sie ist aufgeregt.
Sie nähert sich mit ihrer Hand dem Griff. Sie stockt.
Zweifelt. Überlegt. Ist das richtig?
Darf sie das tun? Sie haben es verboten.
Aber die Neugier ist groß.
Sie greift nach der Klinke, drückt sie herunter.

Unverschlossen.
Das Herz klopft noch lauter.
Langsam schiebt sie die Tür auf.
Es geht nur schwer Es knarrt.
Sie schaut hinaus. Ein weißer Gang.
Weiß wie die Kleidung der Beiden,
wenn sie sie besuchten.
Ebenso unpersönlich, doch etwas Besonderes.
Da waren weitere Türen. Auch aus Metall.
Wohin die wohl führen, denkt sie.
Sie geht auf eine zu, nimmt die Hände von den Augen.
Drückt die Klinke runter. Verschlossen, wie ihre sonst auch.
Sie geht den Gang weiter entlang.
Vorn ist eine Glasstür. Sie öffnet sie.
Ein weiterer Gang.
Alles ist so groß, denkt sie.
Viel größer als alles, was sie bis jetzt gesehen hatte. Warum?
Sie beginnt, sich unwohl zu fühlen.
Ihr gefallen die großen Gänge nicht.
Sie will zurück, dreht um.
Sie läuft los, überlegt panisch, wohin.
Alles sieht so gleich aus.
Durch die Glastür, denkt sie, durch die Glastür bin ich gekommen.
Aber hier sind so viele.
Dort steht eine Tür offen. Sie läuft drauflos.
Das ist sie, denkt sie erleichtert.
Sie hat sie erreicht!
Sie tritt hindurch und erschrickt.
Das ist nicht ihr Raum, ihr dunkles Zuhause.
Dieses ist ein großer, weiter Saal.
Überall an den Wänden sind Bildschirme,
die grün flackernde Gestalten zeigen.
Davor stehen Tische mit allerlei seltsamen Hebeln und Knöpfen.
Und in der Mitte des Raumes
ist ein Bett mit einem kleinen Mädchen darin.
An den Armen sind Drähte befestigt,
hinter ihr befinden sich Maschinen.

Das Mädchen hat die Blicke starr nach oben gewandt.
Angstvoll. Lucy will zu ihr.
Eine Hand legt sich auf ihre Schulter.
Eine Stimme. Sie dreht sich um.
Eine Gestalt steht dort. Sie macht Geräusche, bewegt die Arme.
Eine Gestalt in Weiß. Sie versteht nicht.
Was will sie ihr sagen? Andere Leute kommen.
Alle in Weiß. Sie hat Angst vor diesem Weiß.
Es tut ihren Augen weh.

Die Gestalten halten sie fest, nehmen sie mit.
Sie geben ihr einen Namen.
Lucy, heißt sie, „Licht“. Sie mag diesen Namen nicht.
Sie mag kein Licht, sie will zurück in ihre Dunkelheit.
Selbst Nachts wird es hier nicht richtig dunkel.
Von draußen her scheinen Tausende von Lichtern.
Sie kann nicht schlafen.

Die Weißen, die ihr das Licht und den Namen gegeben haben,
wollen, dass sie lernt.
Sie machen viele Teste mit ihr.
Sie wollen wissen, wie schnell Lucy lernt,
wie sie sich fühlt. Lucy lernt. Sie lernt die Sprache der Weißen.
Doch nicht, damit diese zufrieden sind.
Nein, Sie möchte wissen,
warum sie nicht in ihrer Dunkelheit bleiben konnte.
Sie möchte ihre Geschichte erfahren.
Dann versteht sie die Sprache, spricht sie.
Sie fragt die „Weißen“, woher sie kommt,
warum sie nicht in die Dunkelheit zurück kann.
Doch sie antworten ihr nicht.
Sie schweigen und drehen sich um.
Lucy versteht das nicht, sie ist traurig.
Sie fühlt sich krank.
Warum, fragt sie sich immer wieder. Warum?

Nachts träumt sie schlecht.
Sie träumt, sie liegt in dem Bett, wo das Mädchen gelegen hatte.
Ihre Arme sind an Drähte angeschlossen.
Sie blickt auf die Bildschirme.
Auf allen ist nur ein Bild:
Ein kleines Kind, alleine in einem dunklen Raum. Es weint.
Es ist alleine. Zwei weiße Gestalten kommen hinein, bringen Essen.
Das Kind schweigt. Isst.
Die Gestalten gehen hinaus und das Kind ist wieder alleine.
Alleine in der unbekannten Dunkelheit.
 

Anmerkungen von Stephanie Leitz zur Kurzgeschichte:
Ok, zugegeben, die eigentliche Idee zu dieser Geschichte stammte nicht von mir.
Vielmehr habe ich eine dieser Krimigeschichten gelöst,
bei der man nur mit Ja und Nein antworten darf.
Das ergebnis war ähnlich wie der Beginn dieser Geschichte,
doch was sich daraus entwickelt hat, ist etwas vollkommen anderes.

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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