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 Grammatik 10/11 

 Texte 10/11 

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 Wortschatz 

 

Was die alte Maiasaura erzählt
 

Text: Martin Auer
Bilder: Christine Sormann
Erstveröffentlichung: St. Gabriel Verlag, Wien


 

Hundertfünfzig Millionen Jahre hatte das Volk der Dinosaurier die Erde bewohnt.
Da waren sie alt und weise geworden
„Es ist Zeit für uns",
sagte eine alte Maiasaura zu ihren Kindern und Enkelkindern,
„Zeit, daß wir gehen.
Wir haben vieles gesehen und vieles erlebt.
Viele haben vor uns die Erde bewohnt,
und viele werden sie nach uns bewohnen.
Alles ändert sich ständig, nichts bleibt, wie es war.
Auch als wir kamen, war die Erde schon alt.

 

Als an den Ufern der Meere die ersten Pflanzen wuchsen,
da kamen auch bald die kleinsten Tiere ans Land,
Würmer und Schnecken und die Insekten, die Schwestern der Krebse und Spinnen.

Ihnen sind die Kinder der Fische gefolgt,
die sich in Molche und Salamander verwandelten.
 

Millionen Jahre waren die Kröten und Frösche,
die Molche und Salamander die Bewohner der Wälder.
Doch sie mußten immer beim Wasser bleiben,
denn ihre Jungen müssen erst im Wasser groß werden, bevor sie sich verwandeln, um an Land zu steigen.
Auch sie mußten gehen, nur wenige von ihnen sind zurückgeblieben.


Aber ihre Kinder sind wir, die Echsen.
Wir konnten die ganze Erde besiedeln,
weil wir Wasser nur mehr zum Trinken brauchen.
Die Sonne trocknet uns nicht aus,
sie wärmt uns und macht unsere Muskeln geschmeidig.
Wir haben uns ausgebreitet,
und wie die anderen Tiere vor uns haben auch wir Echsen uns in viele Stämme geteilt.


Unser Volk, das Volk der Dinosaurier,
hat das Land besiedelt. Manche von uns leben in den Wäldern, manche in den Sümpfen,
wir bewohnen die Berge und die Wüsten. Wir sind groß oder klein,
schnell oder langsam, Freunde des Tages oder Freunde der Nacht.
Manche essen große Pflanzen, und manche essen kleine,
manche essen Schnecken und Würmer, manche fangen Insekten.
schnell oder langsam,
Freunde des Tages oder Freunde der Nacht.
Manche essen große Pflanzen, und manche essen kleine,
manche essen Schnecken und Würmer, manche fangen Insekten.
 

Es gibt auch welche unter uns,
die ihre Brüder und Schwestern aus dem Volk der Dinosaurier fressen.
Das tut wohl weh.
Aber die Gejagten mußten schneller und schlauer werden,
um den Jägern zu entgehen,
und die Jäger mußten stärker und klüger werden, um ihre Opfer zu fangen.
Immer neue Listen mußten die Jäger ersinnen,
und immer neue Schutzmittel mußten die Gejagten erfinden,
und so haben wir uns verändert und verwandelt,
und unser Volk ist immer reicher an Fähigkeiten und immer bunter an Formen geworden.
Und so wird es wohl gut gewesen sein.
Viel hat sich verändert, seit wir die Erde bewohnen.
Am Anfang, als wir noch wenige waren,
gab es nur die eine gewaltige Insel inmitten des Meeres.

Später ist sie zerbrochen,
und ihre Teile sind auseinandergetrieben.
Auf jedem Erdteil ist unser Volk seinen eigenen Weg gegangen,
und unsere Brüder und Schwestern dort sehen anders aus als wir.


Wir haben gesehen, wie unsere Kusinen,
die Schildkröten, wieder ins Meer zurückgekehrt sind.
Wir haben erlebt, daß einige unserer Verwandten Pelze bekamen,
die sie warmhielten, so daß sie auch bei Nacht jagen und fressen konnten.
Doch auch die pelzigen Echsen sind schon lange dahingegangen.
Später kehrten auch andere Echsen ins Wasser zurück,
ihre Füße wurden wieder zu Flossen,
und manche von ihnen sahen aus wie Fische.
Millionen von Jahren waren die Fischsaurier die größten Jäger der Meere.
Auch sie sind schon gegangen.
Verwandte von uns haben die Lüfte erobert,
die letzten von ihnen fliegen noch immer an den Küsten,
stoßen ins Wasser hinunter und fangen die Fische.
Wir haben erlebt, wie einige unserer Verwandten,
die unter der Erde nach Würmern gruben, ihre Beine verloren.
Die waren ihnen beim Wühlen nur im Weg.
Sie wurden unsere Kusinen, die Schlangen.
 

Doch die Schlangen sind nicht unter der Erde geblieben.
Manche sind wieder auf die Bäume zurückgekehrt,
manche sind auch ins Wasser gezogen,
manche leben im trockenen Wüstensand und manche in den Sümpfen.
So hat auch ihr Volk sich verändert
und verwandelt und alle Gebiete der Erde besiedelt.
Und auch die Pflanzen haben sich verändert.
Bäume mit spitzen Nadeln statt Blättern sind aufgetaucht,
und wir durften sogar noch die Geburt der Blumen erleben.
Bunt und fröhlich ist die Erde geworden,
seit die Pflanzen mit vielfarbigen Blüten die Insekten anlocken.



Und einige unserer Kinder, die diese Insekten jagen,
haben Federn bekommen,
um sich warmzuhalten. Wir haben gesehen, wie diese kleinen Tiere auf Bäume geklettert sind,
um Insekten zu jagen.
Und eines Tages haben sie ihre Flügel ausgebreitet und sind von den Bäumen heruntergesegelt,
anstatt mühsam hinabzuklettern.
Bald werden sie sich in die Lüfte erheben wie die Flugechsen vor ihnen."


Die alte Maiasaura blieb eine Weile still.
Dann sagte sie: „Ich hatte einen Traum vor einiger Zeit.
Ich träumte von einer neuen Welt,
die ganz anders ist als die,
die wir kennen. Die kleinen, pelzigen Tierchen,
die nachts im Unterholz nach Schnecken jagen,
die Kinder jener pelzigen Echsen,
die schon lange ausgestorben sind,
sie haben sich ausgebreitet in meinem Traum.
Sie haben große und kleine Nachkommen,
die alle Winkel der Erde bevölkern,
so wie wir es getan haben.

Auch von ihnen werden welche in die Meere zurückkehren,

auch von ihnen werden welche das Fliegen erlernen,
aber niemals so gut wie die Vögel.
 


Und einige von ihnen werden ihre Pelze ablegen.
Sie werden sich auf zwei Beine erheben,
so wie manche von uns es getan haben,
aber ihre Vorderfüße werden geschickter sein als die unseren.
Mit diesen Händen werden sie die Welt verwandeln,
wie es vor ihnen kein Tier gekonnt hat.

Sie werden nicht groß sein, aber sie werden die gewaltigsten Kräfte der Erde nach ihrem Willen lenken,
die Kräfte des Feuers, des Wassers, der Winde.



Ja, sie werden sogar die Kraft der Sonne lenken und die Kraft,
die in den kleinsten Teilen steckt, aus denen alles gemacht ist.


Wenn die Welt sich verändert, dann müssen auch die Tiere und Pflanzen sich ändern,
die diese Welt bewohnen. Wer sich nicht ändern kann,
wer in die neue Welt nicht hineinpaßt, muß gehen, muß aussterben.

Doch die seltsamen nackten Zweibeiner werden sich nicht an die Welt anpassen.
Sie werden die Welt einfach so verändern,
wie sie glauben, daß es ihnen am nützlichsten ist.
Sie werden die Pflanzen wachsen lassen, die ihnen schmecken,
und die anderen Pflanzen verdrängen.
Sie werden auch neue Tiere erschaffen,
die ihnen ihr Fleisch geben, ohne daß sie jagen müssen.

Sie werden sich künstliche Höhlen erschaffen,
die sie bewohnen können, und künstliche Häute und Felle,
die sie wärmen. Ja sie werden sich sogar künstliche Flügel erschaffen,
mit denen sie schneller als jedes

andere Tier fliegen werden,
und künstliche, runde Beine, auf denen sie schneller laufen werden als ein Tyrannosaurus

Tausendmal klüger werden sie sein als wir und tausendmal geschickter und tausendmal stärker.
Und doch werden auch sie einmal dahingehen müssen und Platz machen für Wesen,
die nach ihnen kommen. Das habe ich geträumt.

Doch nun kommt die Nacht,
und wir wollen schlafen. Und wenn die Sonne aufgeht,
wird sie auf eine andere Erde scheinen."

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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