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 Grammatik 3/10 

 Texte 3/10 

 INDEX 

 Wortschatz 

 

Die bittere Enttäuschung
von Helga Salfer

 

Wie jede Woche verfolgt André auch an diesem Wochenende wieder
mit großer Spannung die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehen.
Er spielt seit vielen Jahren
und setzt immer auf die gleichen Zahlen.
Ein einziges Mal hatte er vier Richtige.
Allerdings musste er dieses Glück mit vielen anderen Spielern teilen.
So wurde ihm damals nur eine geringe Summe ausgezahlt.
Aber er gibt die Hoffnung nicht auf,
einmal Millionär zu werden.

Und diesmal scheint sein Ziel in erreichbare Nähe gerückt zu sein.
Fünf Nummern stimmen bereits
mit den von ihm getippten überein.
Die sechste Kugel ist noch nicht gefallen.
Nervös kippt André sein Bierglas in einem Zug herunter
und stiert gebannt auf den Bildschirm.

Was kann ich mit sechs Richtigen alles machen?!
Mein Gott!
Alle meine Schulden bezahlen!
Ein sorgenfreies Leben führen!
Mir endlich ein Ferienhaus am Mittelmeer kaufen,
einen tollen Sportwagen leisten und und und .....!

Die sechste Zahl lautet ....!
André stockt der Atem.
"Ja! Das darf doch nicht wahr sein. Meine Zahl!"
André schreit laut auf vor Begeisterung
und klatscht in die Hände.
" Jetzt noch die Zusatzzahl!"
Kribbelig trommelt André mit den Fingern seiner linken Hand
auf den Tisch und stößt dabei sein Glas um,
das klirrend zu Boden fällt.
"Jaaaaaaa! Hurra! Juchheirassa!"
Mit einem Ruck springt er auf und macht einen Luftsprung.
"Ich hab's geschafft!
Ich hab's geschafft!"
Er tanzt vor lauter Übermut von einem Bein aufs andere.

"Ich könnte die ganze Welt umarmen!
Gewonnen! Ich habe g e w o n n e n!
Jetzt bin ich Millionär und kann alles machen,
was mir Freude bereitet!
Das muss gefeiert werden!"

Er greift zum Telefon und wählt die Nummer seines besten Freundes. Sein Herz klopft vor freudiger Erregung.

"Nun mach schon, Daniel! Melde dich endlich!"
Dann hört er die vertraute Männerstimme.
"Na, André? Hast du dir schon vor Ärger in den .... gebissen?"
André kennt Daniel seit über zwölf Jahren sehr gut.
Er ist an seine etwas derbe Ausdrucksweise gewöhnt.
Es stört ihn nicht weiter.
Immerhin geht dieser Mensch mit ihm durch dick und dünn.
Jederzeit ist auf ihn hundertprozentig Verlass.
"Nee! Im Gegenteil - wenn, dann vor Freude!
Du glaubst nicht, was geschehen ist.
Halt dich fest.
Diesmal hat es den Richtigen getroffen.
Endlich! Mensch, Dany, komm sofort vorbei!
Ich spendiere eine Flasche vom besten Schampus!"

"Was? Um die Zeit noch?
Ich weiß nicht so recht!
Ist es so wichtig?"
"Dany, hör zu!
Ich bin Millionär geworden, jetzt gerade!
Die Lottozahlen
- ich habe gerade die Zahlen im Fernsehen verfolgt -
das ist genau meine Zahlenreihe.
Verstehst du? Ich - André Sieger!
Sieger - ich heiße nicht nur so,
ich bin auch einer. Das muss begossen werden!"


"Waaaaas? Du? Du hast wirklich ...?
Das ist ja nicht zu fassen!
Bist du dir sicher?
Hast du die Zahlen genau überprüft?"

"Brauch ich nicht!
Die sind fest in meinem Kopf!"
Er tippt sich mit der rechten Hand gegen die Stirn.

"André, das ist ja eine fantastische Nachricht!
Ich bin platt!
Mir fehlen glatt die Worte, alter Freund.
Bist ein echter Glückspilz, André.
Herzlichen Glückwunsch!
Hast ja immer schon eine Menge Pläne gehabt,
falls du einmal gewinnen solltest.
Nun hast du so viel Geld und kannst dir damit jeden Wunsch erfüllen.
Kann man wirklich neidisch werden!"

"Ja, ich könnte vor Glück die Zahlen herunter singen, Dany. Wahnsinn!"

"Könnte ich auch gut gebrauchen,
so eine Menge Kohle.
Aber bei mir hat es mal wieder gerade für zwei Richtige gereicht.
Hätte ich die 17, anstelle der 18 angekreuzt,
wären es drei gewesen. Aber was soll's.
Ein Dreier bringt ja noch nicht einmal den Einsatz wieder heraus."

"Los Dany, komm her, das muss begossen werden!"
"Also gut, ich komm!"

Als André das Gespräch beendet hat, eilt er in die Küche,
um den Sekt aus dem Kühlfach zu holen.
Mit der Flasche im Arm geht er singend ins Wohnzimmer zurück.
Auf dem Couchtisch liegt immer noch
der Zettel mit den notierten Lottozahlen.

André greift nach dem Blatt Papier und sieht es verklärt an.
Dort in der Schublade liegt der Beweis,
mein Lottoschein. Ich hole ihn mir jetzt heraus und werde
mit höchstem Genuss die Zahlen vergleichen.

Als er das Fach öffnet,
traut er seinen Augen nicht.
Da liegt kein Lottoschein.
Hastig durchwühlt er die Schublade.
Keine Spur des gesuchten Papiers.


"Das kann nicht sein!"
entfährt es ihm.
"Ich lege ihn immer hier hinein. Wo ist er?"
André spürt Schweißperlen auf seiner Stirn.
Aufgeregt reißt er Schubladen und Schranktüren auf.
"Nichts!"
André rauft sich verzweifelt die Haare.
"Das darf nicht wahr sein!"
Aufgebracht rennt er durch die Wohnung.
"Wo ist dieser verflixte Zettel? Der muss da sein!"
In der Diele fällt sein Blick auf sein dunkelgraues Jackett.
Vielleicht ist er noch in der Anzugtasche,
murmelt er.
Kann es mir aber eigentlich nicht vorstellen.

Als er in die rechte Tasche fasst,
berühren seine Finger ein Papier.
Eilends zieht er es heraus.
Er wirft einen Blick darauf und stellt fest,
dass es eine berufliche Notiz ist.
Er zerknüllt sie und durchsucht die linke Anzugtasche.
Erfolglos.

André wird blass.
Was nutzt mir der Gewinn,
wenn ich den Wisch nicht vorweisen kann?
Verflixt noch mal!
Ist mir doch noch nie passiert!
Das Ding muss hier sein!

Im Arbeitszimmer durchforstet er seinen Schreibtisch.
Sein Blick fällt auf eine Akte,
die er vor ein paar Tagen zum Bearbeiten mit nach Hause genommen hatte.
Den Fall sollte er über das Wochenende noch einmal überprüfen.
Gedankenverloren blättert André die Akte durch.
Er will sie gerade wieder zu klappen,
als ein Lottoschein heraus fällt.
Sein Lottoschein!
Wie in Trance bückt sich André nach dem Papier.
Fassungslos hebt er es auf.
"Wie kommt der denn hier hin?"
murmelt er. "Der ist ja nur zur Hälfte ausgefüllt!
Was ist das denn?"
André wird es heiß und kalt zugleich.
Ich riesengroßer Trottel!
Er schlägt die Hände vors Gesicht.
Oh, Gott! Ich habe vergessen, den Schein auszufüllen.
Jetzt erinnere ich mich wieder.
Ich war gerade dabei, die Zahlen zu tippen,
als das Telefon läutete. Richtig!
Ich habe die Akte zugeschlagen und nach dem Telefongespräch nicht wieder geöffnet.
Bis heute.

Er lässt sich auf seinen Bürosessel sinken.
Aus der Traum vom großen Geld.
Das kommt davon,
wenn man abgelenkt wird.
Dieser sch ... Anruf.
Nie wieder lasse ich mich durch einen Telefonanruf
von einer Arbeit abbringen.
Aber es hat wohl wieder einmal nicht sein sollen!
Trotzdem war es schön,
für kurze Zeit das Gefühl zu haben,
ein Millionär zu sein.

 

Lectiile de Germana sunt realizate si predate de prof. Valeriu Untea.

 

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